Chronik der OLG Huttwil Teil I 1956 – 1958
Seit 42 Jahren findet in der Umgebung von Huttwil alljährlich ein OL statt. Organisiert wird er von Orientierungsläufern die sich 1959 zu einer Gruppe zusammen geschlossen haben. Damit hat unser Verein, welcher zu den älteren gehört, die Anfangszeit des OL’s mitbeeinflusst. Das, und vieles mehr, haben heute viele vergessen. Da ich es interessant finde, in den Akten zu graben, habe ich mir vorgenommen eine Chronik der OLG Huttwil zu schreiben.
Die Anfangszeit
Willi Heiniger der erste Präsident unserer OLG, hat schon Anfangs 50er Jahre mit dem OL begonnen. Bei seiner RS 1952 kam Willi nicht das erste Mal mit dem Orientierungslaufsport in Kontakt. Mit ungewohnten Schuhen und "halbtannige" Ex-Hosen, Rucksack, Karabiner und Marschtee in der Feldflasche ist die Einerkolonne beim Einnachten in den Wald abmarschiert. Der Korporal an der Spitze und jegliche Belehrungen verboten! So hat das Schlusslicht halt geschwiegen, als man schon zum dritten Mal dieselbe Kreuzung überschritt. Später wurden sie dann gefunden und der Kartenleser hat, ob dem grellen Ausruf des suchenden Instruktors, neben der Orientierung auch noch die Sprache verloren. So gab denn der zweite in der Reihe zu Protokoll: "Jo mir sy do, vo Flüe heisst dr Korpis u Charte gläse het er ou wie ne Chlous!"
Schon 1949 hat er in Walterswil seinen ersten OL gewonnen. Die Zustände die damals geherrscht haben unterscheiden sich deutlich von der heutigen Form des OLs. Mit alten Überhosen, leichten Lederschuhen, Recta - Armee - Bussole, Massstab und Bleistift ist man auf einer 25'000 er Siegfriedkarte gelaufen. Viele Posten sind nicht eingezeichnet gewesen und mussten aufgrund von Azimut-Angaben (Koordinationssystem) fixiert werden. Bei den Posten wurden Fragen über Geografie und Bundesrat gestellt. Die Zeit wurde mit einer Sackuhr gemessen und auch die Antworten auf die Fragen wurden bewertet. Nach diesen Lauferfahrungen hat der Mechaniker dann 1956 mit Lehrer Kaspar Dreier den ersten Huttwiler OL organisert!
19. April 1956 – Der 1. Huttwiler-OL
Vieles ist neu und auch der OL ist kein alter Sport. Daher sind viele Hilfsmittel und Materialien noch nicht speziell für den OL vorhanden. Kaspar Dreier und Willi Heiniger schreiben deshalb viele Unternehmungen an, die z.T. noch nicht mit Material dienen können. Die Startnummern kommen von der Sportartikelfabrik Hans Bigler in Bern, die aber z.B. keine Postenmarkierungen anbieten kann. Für die Karte wird das Eidg. Militärdepartement in Bern angeschrieben. Diese können den verlangten Kartenausschnit im Massstab 1:25'000 für 90.-- / 500 Stk. Anbieten. Der Druck ist allerdings nur einfarbig. Willi Heiniger ist mit der Qualität der Karte aber nicht zufrieden und schreibt deshalb eine grafische Anstalt in Zürich an. Doch auch die ist den neuen Anforderungen noch nicht gewachsen und bietet eine Karte mit grüngedrucktem Wald für 1.30 Fr. pro Stück an. Durch die Fachschrift OL ist der Lauf ausgeschrieben worden und die Anmeldung ist durch die Einzahlung des Startgeldes erfolgt. Die Sieger der drei Kategorien Elite, Aktive und VU (militärischer Vorunterricht) werden mit Wanderpreisen in Form von Zinntellern belohnt. Ausserdem erhält jeder Teilnehmer eine Erinnerungskarte. Die Läufer stört am OL vor allem, dass der Lauf zu viel über offenes Gelände führte und die Posten zu häufig an Waldrändern und –ecken standen. Auch meldeten sie, dass manche Posten zu leicht und andere zu schwer gesteckt waren, und dass der Kompass zu wenig gebraucht werden musste. Bei den meisten Posten habe es nur eine Route gegeben und manche Posten standen zu nah beieinander. Es wurde auch angemerkt, dass technische Aufgaben in Zukunft nicht mehr den Hauptteil eines Laufes ausmachen würden. Die eigentliche Schwierigkeit des zukünftigen OLs sei die Routenwahl.
18. April 1957 – Der 2. Huttwiler OL
Beim 2. Lauf lassen Willi, welcher die Bahnlegung macht, und Kaspar Dreier, der für die Administration und Organisation zuständig ist, die geforderten Änderungen einfliessen. Der Lauf findet im Hegenwald statt, es kann aber dieselbe Karte wie beim ersten Lauf verwendet werden. Die grosse Distanz zwischen dem Start und der Garderobe wird mit einem Bustransport überbrückt. Die Läufer haben sich deshalb grösstenteils positiv geäussert. Die freie Wahl der Anlaufreihenfolge der Posten 4-7 in der Kategorie VU löst Erstaunen aus.
27. April 1958 – Der Dritte
Man hat aus den ersten zwei Läufen schon die nötige Erfahrung gemacht um einen reibungslosen Lauf zu organisieren. Die Bahnlegung wird wieder von Willi Heiniger gemacht. Da man aber nach den ersten zwei Läufen viel kritisiert worden ist, hat Willi reagiert und einen dieser Kritiker angeschrieben, ob er nicht die Bahnkontrolle übernehmen könnte. Herr Bussmann hat diese Bahnen dann auf der Karte kontrolliert und auch einige Änderungen vorgeschlagen. Im Dankbrief des Siegers zum Erhalt der Wanderauszeichnung wurde die gute Bahn denn auch gelobt. Die fair gestellten Posten haben vielerorts mehrere Routenwahlen zugelassen, nur das schlechte Regenwetter wurde als störend bezeichnet. Zum Start fand wieder ein Bustransport statt und als eigentliche Neuheit wurde vor dem Start eine Einlaufstrecke markiert. Erstmals fand man auch die Unterstützung von Firmen, die vor Ort mithalfen. Die Firma HEUER wurde für die Zeitmessung bezahlt und die Firma HELIOMALT übernahm die Zielverpflegung.


