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„Ich war schon immer ein „Gäggeler““ 08.12.08 06:30 VON: JONAS MATHYS Ernst Kläy überarbeitet in Gondiswil zur Zeit die OL-Karte „Schmidwald-Horben“. Diese wird im nächsten September für die Schweizer Meischterschaften im Langdistanz-OL verwendet. Im Gespräch mit Ernst Kläy wird schnell klar, dass dieser Mann eine grosse Leidenschaft dafür hat, was er tut. Zur Zeit wohnt der 60jährige in einem Wohnwagen in Gondiswil. Er ist tagtäglich um die neun Stunden im nahegelegenen Laufgebiet der Schweizer Meisterschaften im Langdistanz OL 2009 unterwegs. Bei jedem Wetter. Wenn Ernst Kläy nach der Arbeit im Wald nach Hause kommt, duscht er im Freien. Danach wird etwas gekocht und dann folgt das Zeichnen am Computer. Bis zehn oder auch mal elf Uhr am Abend sitzt er an seinem Projekt. Die Aufnahme einer OL-Karte ist mehr als ein Vollzeitjob.
Perfektionist Das ist Ernst Kläy durchaus bewusst. Auf die Frage, warum er das tut, meint er lachend, dass es das Geld nicht sein könne. „Ich kam noch nie auf zehn Franken in der Stunde.“ Das liegt vor allem daran, dass der Burgdorfer sehr genau arbeitet. „Vor allem die Dickhichte und Grünstufen geben zu tun. Sie machen ungefähr 80 Prozent der Arbeit im Wald aus.“ Für einen Quadratkilometer Fläche brauche er etwa 100 Arbeitsstunden. Nur im Wald. Das Zeichnen und übertragen der Daten in den Rechner kommt noch dazu… Die Ursache für sein präzises Arbeiten ist schnell gefunden: „Da ich vom Maschinenbau komme, war ich eben schon immer ein „Gäggeler. Am Schluss muss das Produkt für mich stimmen.“ Kläy, der Perfektionist.
„Fast zu viel“ Kläy ist ein richtiges Urgestein im OL-Sport. Er ist seit 50 Jahren aktiv. Als dann vor 35 Jahren die OLV Hindelbank gegründet wurde und der neue Verein Karten und damit jemand brauchte, der diese aufnimmt, hat der Burgdorfer diese Arbeit übernommen. „Karten haben mich schon immer fasziniert. Ich kann stundenlang über einer Karte brüten.“ Insgesamt 28 Jahre war Kläy bei seinem Stammverein als Kartenchef tätig. Daneben hat er das Kartenlager verwaltet und amtete zwischenzeitlich auch als Präsident. „Ich machte praktisch alles zusammen. Das war vor etwa 20 Jahren..“ Jeder andere würde wohl von Überforderung sprechen; für Ernst Kläy war es nur „fast zu viel“. Das Präsidentenamt hat er aufgegeben, erhalten geblieben ist der Frührenter der OL-Szene aber als Kartenkonsulent und Kartenaufnehmer. Die beiden grossen Kartenprojekte der OLG Huttwil, der Chaltenegg-Huttwilwald anlässlich der Staffelmeisterschaft 2005 sowie die Karte „Schmidwald-Horben“ für die nächstjährige Schweizer Meisterschaft im Langdistanz OL seien aber die einzigen umfangreichen Karten, die er alleine mache. Wen wunderts, rechnet Kläy doch mit einem Aufwand von etwa 700 bis 800 Stunden, bis man dank der neuen Karte „Schmidwald-Horben“ Posten anlaufen kann.
Nachwuchsprobleme „Daneben mache ich noch eine Sprint-Karte in Burgdorf. In der Regel arbeite ich etwa an drei Karten gleichzeitig.“ Er sei aber immer vorsichtig, er wolle nicht zu viel auf einmal machen. Schliesslich gebe es noch viel zu erleben und zu entdecken. Auch ausserhalb von OL-Karten. „Ich habe meine 14 bis 15 Wochen Ferien im Jahr, die ich oft mit dem Camper im Ausland verbringe. Meine Frühpensionierung lässt dies zu.“ Dann spricht Kläy ein Problem an: „Es gibt fast keinen Nachwuchs, was das Kartenaufnehmen betrifft.“ An die OL-Karten werden immer höhere Ansprüche gestellt, der Zeitaufwand ist sehr gross. „Eine Karte kann man nicht einfach so schnell in zwei Wochen machen. Es ist ein langer Prozess. Dazu kommt, dass man damit nicht wirklich Geld verdienen kann.“ Viele Junge wären in der Schule oder in der Ausbildung schon stark beansprucht. Und in ihrer Freizeit gibt es so viele andere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen, als sich über längere Zeit einem Kartenprojekt zu widmen.
Dauernde Auseinandersetzung Trotz dem grossen Aufwand und den Unannehmlichkeiten, die eine Kartenaufnahme mit sich bringt: Kläy gefällt seine Tätigkeit und ans Aufhören denkt er nicht. „Ich muss einfach Freude haben – und die habe ich noch.“ Und dann versucht er, seine Leidenschaft für die Kartographie in Worte zu fassen: „Es ist die dauernde Auseinandersetzung mit dem Gelände, die mich fasziniert. Wie kann ich das auf Papier bringen? Das ist die entscheidende Frage.“
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