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Bericht: Swiss Orienteering Week 2009 16.08.09 19:14 VON: LUKAS MÜLLER An der unvergesslichen Swiss-O-Week letzte Woche im Muotathal genoss das OL-Volk Wettkämpfe mit höchsten Herausforderungen und mehreren Überraschungen. Nebst Teilnehmern aus der ganzen Welt liess sich auch ein gutes Dutzend Huttwiler OL-Läufer das Erlebnis in den Innerschweizer Bergen nicht entgehen. Erleben stand im Vordergrund, gute Huttwiler Resultate gab es dennoch zu bejubeln.
Orientierungslaufen verbunden mit Ferien, Abenteuer und unvergesslichen Erlebnissen. Die Postenjäger aus aller Welt durften vergangene Woche OL in seiner schönsten Form geniessen; und dies nicht etwa im hohen Norden, sondern in der „Urschwyz“ – im Muotathal. In der mit vielen Sagen umwobenen Bergregion, mit den bekannten „Wetterschmöckern“, und dem riesigen Höhlensystem „Höllloch“, wurden den angereisten Gästen nebst einmaligen Wettkämpfen auch viele lokale Anlässe und Traditionen geboten.
Bunte Teilnehmerschar aus aller Welt Über 3000 Teilnehmer aus 33 Ländern von gross bis klein und jung bis alt folgten den viel versprechenden Bildern und Werbeschriften zur diesjährigen Swiss-O-Week und kamen vollends auf ihre Rechnung. Gastgeber waren die Innerschweizer OL-Vereine in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Sportvereinen von Muotatal. Hier entstand auch eine kleine Zeltstadt mit Menschen aller Sprachen und Lebensweisen vom nördlichen Polarkreis bis zum südlichen Afrika und vom fernen Kalifornien bis zu den Kiwis aus Neuseeland. Die Standardsprache indes hiess in dieser speziellen Woche ganz einfach OL. Einige Huttwiler gehörten auch dieser farbenfrohen Stadt an und hatten eine zufriedene Zeltwoche, wie es eben zu einem richtigen Mehrtage-OL gehört. Routenvergleiche der gelaufenen OL-Bahnen, Diskussionen über verlorene Sekunden oder gewonnene Punkte, gegenseitige Pflege- bzw. Erholungsmassnahmen sowie das gemeinsames Kochen bei viel Witz und Charme hielten die Fröhlichkeit auf dem Camp aufrecht. Nicht mal die starken Regenschauer am Anfang der Woche kratzten nachwirkend an der guten Stimmung.
WM-Formtest für die Elite Die erste Etappe, ein Sprint im historischen Städtchen Schwyz, bot ein spannendes Rennen mit kniffligen Routenwahlen. Auf dem Hauptplatz versammelten sich viele Zuschauer um den letzten Formtest des Schweizer WM-Teams kurz vor den Meisterschaften in Ungarn zu beobachten. Das Team um Daniel Hubmann und Simone Niggli-Luder scheint für den Höhepunkt bereit zu sein.
Unbekanntes Gelände Sprint in Städten ist nichts Neues. Auch wenn jede Ortschaft seine eigenen Finessen bietet, geht’s letztendlich vorwiegend um schnelle Entscheide und spritzige Beine um in der kurzen Laufzeit möglichst keine unnötigen Ecken zu schlagen. Die Laufgelände der Etappen 2 bis 6 versprachen hingegen grosse Unbekanntheit, wurden dafür doch ganz neu die detaillierten OL-Karten erstellt. Das aus der Innerschweiz bekannte karstige Gestein war an allen Tagen präsent und trug zur grossen Herausforderung bei. Messerscharfe Kanten in den ausgewaschenen Felsplatten, durchfurchte und zum Teil in gletscherspaltenartigen Schlünden endende Felsgräben durchzogen oft ganze Teile des Geländes und lernten jedem Einzelnen das Fürchten. An ein schnelles Vorwärtskommen darin war nicht zu denken, entsprechend schwierig entpuppte sich auch die Postensuche.
Hoher Pulsschlag und Muskelkater Nach dem Transport ins Zielgelände, erreichten die Läufer mit einem Fussmarsch von bis zu eineinhalb Stunden den Start. Nach dem langen Aufstieg anerbot sich den Startenden aber ein grandioser Einblick in die kühle Alpenwelt. An drei Etappen starteten die Teilnehmenden auf rund 2000m, was einigen Läufern nur schon der Höhe wegen viel abverlangte. Grosse Teile der Laufstrecken führten über Alpweiden, Seen- oder Sumpfgebiete, was zwar schnelleres Tempo ermöglichte, aber durch die ansprechende Höhenlage heftige Lungenarbeit erforderte. Die gekonnte Dosierung der physischen Komponenten wirkte sich in den Steigungen, in tiefen Feuchtgebieten aber vor allem auch bei Schlussabfahrten aus. Durch die weiten Anmarschwege in die Höhe, waren mehrfach sehr steile Abstiege ins tiefer gelegene Zielgebiet zu bewältigen. Mit der zusätzlichen Müdigkeit in den Beinen war die Aufgabe für den „Schlussspurt“ eine echte Frage der Koordination. Brennende Oberschenkel, Muskelkater und Blasen an den Füssen waren die typischen Pflegefälle. Sind die Alpweiden offen, über weite Strecken übersichtlich und meist gut belaufbar, zeigen sich Felssturz- und Karstgebiete in der Belaufbarkeit hingegen als sehr heikel bis gefährlich und fordern gleichzeitig sehr hohe Konzentration für eine erfolgreiche Postensuche. Kommt dann noch jung heranwachsender Vivian-Sturmwald hinzu, wie es bei der 5.und 6.Etappe im „Gibel“ oberhalb Schwyz der Fall war, sind manche Läufer mit ihrer Aufgabe überfordert. Motorisch-koordinative Fähigkeit spielte nebst dem OL-technischen Können eine ebenso wichtige Rolle. Die Menschenschlange vor dem Sanitätszelt bestätigte diese Tatsache sowohl eindrücklich als auch beängstigend.
Wetterkapriolen und Verschiebungen Der Starke Regen rund um den Viewaldstädtersee, war für das Organisationskomitee ein richtiger Prüfstein. Auf beeindruckende Weise und in einer buchstäblichen Nacht- und Nebelaktion wurde die 6.Etappe mit der ganzen Logistik auf den 4. Tag vorgeschoben, weil das Riemenstaldental von der Umwelt abgeschnitten war. Der erneut einsetzende Regen nach drei heissen Sonnentagen und der fünften Etappe zwang das OK wiederum für eine kurzfristige Alternativlösung für die Riemenstalder-Etappe. Die Gefahr für die Läufer und den Verkehr wäre zu gross gewesen und so wurden über Nacht Bewilligungen und Absprachen für eine erneute Etappe im „Gibel“-Wald getroffen. Dass nun OL-Bahnen für fast 50 Kategorien neu ausgedacht und die Posten neu gesetzt werden mussten, hielten die Organisierenden nicht davon ab, für die internationale Teilnehmerschar doch noch ein sechstes Lauferlebnis zu ermöglichen. Für viele Läufer hiess es dann Revanche zu nehmen für lange Suchaktionen am Vortag.
Mehrere Etappen-Podestränge In der Gesamtwertung der Swiss-O-Week hatten die Huttwiler Läufer nicht viel mitzureden. Im Muotathal ging es aber auch nicht primär ums Siegen, sondern viel mehr um das Erlebnis und die Erfahrungen an einem solchen Mehrtagelauf. Huttwiler Podestränge konnten an den einzelnen Etappen dennoch bejubelt werden. Sarina Jenzer lief - nach ihrem erfolgreichen Junioren-WM Debüt Anfangs Juli - nur den zweiten Teil des 6-Tage-OLs. Im technisch sehr schwierigen Gibel erreichte sie an den Etappen fünf und sechs jeweils den zweiten Rang. Marco Fäh und Silvio Strub durften in ihren Kategorien je ein Mal auf das Podium steigen. Bemerkenswert sind insbesondere die Ausdauerleistungen. Gab es doch einige Blumenstädter, die mehrmals in dieser Woche bis zu zwei Stunden oder gar mehr unterwegs waren. Der zehnjährige Marc Schärer verbesserte sich von Tag zu Tag und fand grosse Freude an den verschiedenen Laufgeländen sowie dem ganzen Drum und Dran. „Ich würde gleich wieder gehen“, meinte Philipp Zappa, der sich auf den Bahnen der mittleren Herren A-Kategorie gut zurechtfand.
Euromeeting ohne Jonas Mathys Parallel zu den letzten beiden Etappen der Swiss-O-Week fand das Euromeeting, ein internationaler Eliteanlass ohne die WM-Teilnehmer, statt. Dafür konnte sich auch der junge Huttwiler Jonas Mathys selektionieren. Leider aber musste Mathys krankheitsbedingt auf einen Start verzichten. Dies wäre eine gute Gelegenheit gewesen sich für das nationale Elitekader zu präsentieren. Seine Schweizer Teamkollegen konnten am Sonntag im abschliessenden Staffel-Wettkampf auf dem Seelisberg in geschlossener Dominanz sowohl die Herren als auch die Damenstaffel gewinnen. In den Einzelwettkämpfen schauten zwei 2.Plätze bei den Damen heraus.
Mit der Swiss-O-Week gingen die Sommerferien zu Ende. Was bleibt sind die vielen wunderschönen Erlebnisse, das gute Gefühl der bezwungenen Herausforderungen und die Bereicherung an herzlichen Bekanntschaften. Weiter mit ihren Jubiläumszielen vor Augen werden die Huttwiler OL-Läufer an Teamanlässen teilnehmen und fleissig Trainings besuchen. Der Höhepunkt aus Klubsicht – die OL Langdistanz Schweizer-Meisterschaften im Schmidwald und Horben - rückt in grossen Schritten näher. Am 13.September werden alle die jetzt noch OL genossen haben als Funktionäre und Helfer im Einsatz stehen. Wir freuen uns auf den Grossanlass ausgehend von Altbüron und hoffen ebenso einen guten Eindruck zu hinterlassen wie die OL-Woche im Muotathal. <- Zurück zu: News |




